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Was einmal weg ist, ist weg. Kürzungen bei Freiwilligendiensten gefährden gesellschaftliches Engagement und Fachkräftegewinnung

Neudietendorf, 16.08.2023 | Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend plant massive Kürzungen bei der Förderung der Freiwilligendienste (FSJ, FÖJ, FIJ und BFD) im nächsten Jahr in Höhe von 78 Millionen Euro, fast ein Viertel der bisherigen Förderung! Diese drastischen Einschnitte bedeuten bereits im Jahr 2024 einen Verlust von 25.000 bis 30.000 Plätzen bundesweit. Der Paritätische Thüringen warnt vor den gravierenden Auswirkungen dieser geplanten Kürzungen auf die Gesellschaft, die Fachkräftegewinnung und die berufliche Orientierung junger Menschen.

"Die Freiwilligendienste sind eine wichtige Brücke für junge Menschen, um sich in den Bereichen Erziehung und Pflege zu engagieren. Die Streichungen verschärfen den ohnehin bestehenden Personalmangel zusätzlich und bedrohen wichtige Hilfsangebote in Kitas, Schulen, Pflegeeinrichtungen, im Sport und im Naturschutz", so Andrea Büßer, Referentin für Freiwilligendienste.

Die geplanten Mittelkürzungen für 2025 belaufen sich sogar auf weitere 35,89 Millionen Euro, was in den nächsten beiden Jahren zu einem Wegfall von 36 Prozent der Gesamtmittel des Bundes für die Freiwilligendienste führt.

"Diese Kürzungen sind ein klarer Bruch des Koalitionsvertrages. Dort war festgelegt, die Plätze in den Freiwilligendiensten nachfragegerecht auszubauen, das Taschengeld zu erhöhen und Teilzeitmöglichkeiten zu verbessern", betont Andrea Büßer. "Statt die Freiwilligendienste zu stärken und jungen Menschen die Chance auf ein wichtiges Orientierungs- und Bildungsjahr zu geben, droht ein dauerhafter Wegbruch der für die Durchführung der Freiwilligendienste notwendigen Infrastruktur. Denn, was einmal weg ist, ist weg"

Für den Paritätischen Thüringen ist klar: Die geplanten Kürzungen haben weitreichende Konsequenzen für die Gesellschaft. Sie führen dazu, dass 2024 jeder vierte Platz, 2025 sogar jeder dritte Platz in den Diensten wegfallen wird. Dadurch verlieren junge Menschen die Möglichkeit, durch einen Freiwilligendienst Verständnis und Wertschätzung für die gesellschaftliche Bedeutung sozialer, kultureller und ökologischer Arbeit zu erlangen.
Ebenso gehen die Chance auf Erprobung und Kompetenzerwerb verloren.

Einsatzstellen, Träger und der soziale Bereich insgesamt verlieren die Möglichkeit, jungen Menschen das Arbeitsfeld "Soziale Arbeit" niedrigschwellig erlebbar zu machen und ihnen Berufsorientierung zu bieten. Und das wird negative Auswirkungen bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels haben.
Durch die Kürzungen wird die gesellschaftlich gewollte Inklusion von Menschen mit Unterstützungsbedarfen und Beeinträchtigungen sowie von jungen Menschen, die sich einen Freiwilligendienst aufgrund ihrer sozialen Lage nicht leisten können, fast unmöglich gemacht, stellt der Wohlfahrtsverband fest. Denn die Rahmenbedingungen für die Freiwilligen sind bereits jetzt aufgrund zu geringer Mittel schwierig. Die Kürzungen werden den Zugang zu den Freiwilligendiensten weiter erschweren.

Die Freiwilligendienste sind inzwischen fest in der Gesellschaft verankert. So hat die Petition der Kampagne "Freiwilligendienst stärken" bisher über 100.000 Unterstützer*innen gefunden, was den Rückhalt in der Gesellschaft für eine Stärkung der Freiwilligendienste deutlich zeigt. Auch vor diesem Hintergrund sind die geplanten Kürzungen unverständlich.

Der Paritätische Thüringen appelliert an die politisch Verantwortlichen, die geplanten Kürzungen zurückzunehmen und die Freiwilligendienste im Gegenteil langfristig zu stärken, um das Engagement junger Menschen und die soziale Arbeit in Deutschland zu unterstützen.

Info Auswirkungen auf die verfügbaren Plätze in ausgewählten Einrichtungen im FSJ

Einrichtung

2023/2024

2024/2025

(Kürzung: 20,8%)

2025/2026

(Kürzung: 16,4%)

Kindertagesstätten

2.003

1.586

-417

1.326

-260

Einrichtungen der Behindertenhilfe

1.874

1.484

-390

1.241

-243

Krankenhaus/Klinik/Kurkliniken

1.197

948

-249

793

-156

Schule

923

731

-192

611

-120

stationäre Pflege und Betreuung von alten Menschen

438

347

-91

290

-57

Einrichtungen der Psychiatrie

363

287

-76

240

-47

Förderschule

329

261

-68

218

-43

Beratungsstellen und sonstige Einrichtungen der Sozialarbeit

319

253

-66

212

-42

Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe

313

248

-65

207

-41

Denkmalpflege

292

231

-61

193

-38

Quelle: FSJ -Statistik 2021/2022

Illustration: Christian Kirchner

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