100 % Menschenwürde – Rassismus und Rechtsextremismus entschieden entgegentreten
Pressestatement des Paritätischen Landesverbandes Thüringen anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus
Neudietendorf, 17.03.2026 | Vom 16. bis 29. März finden bundesweit die Internationalen Wochen gegen Rassismus statt. Unter dem Motto „100 % Menschenwürde. Zusammen gegen Rassismus und Rechtsextremismus" engagieren sich tausende Initiativen, Verbände und Kommunen mit Veranstaltungen und Aktionen für eine offene, solidarische Gesellschaft. Die Aktionswochen erinnern rund um den 21. März – den Internationalen Tag gegen Rassismus der Vereinten Nationen – daran, dass die Würde aller Menschen unteilbar ist und aktiv verteidigt werden muss.
Auch in Thüringen beteiligen sich zahlreiche Organisationen und Initiativen an den Aktionswochen. Für den Paritätischen Landesverband Thüringen und seine Mitgliedsorganisationen sind sie ein wichtiger Anlass, um sichtbar zu machen: Rassismus ist kein Randphänomen – er ist eine Realität im Alltag vieler Menschen.
Stephan Panhans, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Thüringen, erklärt:
„Die aktuellen Entwicklungen im Freistaat zeigen, wie dringend notwendig dieses Engagement ist. Die Opferberatungsstelle ezra registrierte 2024 erstmals mehr als 200 rechte, rassistische und antisemitische Angriffe in Thüringen – ein neuer Höchststand. Allein 108 dieser Taten waren rassistisch motiviert. Im bundesweiten Vergleich gehört Thüringen zudem zu den Bundesländern mit den meisten rechtsmotivierten Gewalttaten pro Einwohner.
Die Situation verschärft sich zusätzlich durch eine politische Entwicklung, die extremen Positionen immer mehr Raum gibt. Für viele Menschen bedeutet das: Das Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit bröckelt.
Der Paritätische Thüringen steht für eine Gesellschaft, die von Vielfalt, Respekt und Solidarität getragen wird. Unsere Arbeit basiert auf der Überzeugung, dass alle Menschen die gleiche Würde und die gleichen Rechte haben. Rassismus und Rechtsextremismus stehen diesen Grundwerten fundamental entgegen."
Nicole Offhaus, Referentin für Jugend(sozial)arbeit, Freie Schulen und Migration beim Paritätischen Thüringen, ergänzt:
„Diese Zahlen stehen für konkrete Erfahrungen von Menschen im Alltag: für Beleidigungen im öffentlichen Raum, Bedrohungen, körperliche Angriffe oder strukturelle Benachteiligung in Behörden, Bildung oder Arbeitsmarkt. Betroffen sind Menschen mit Migrationsgeschichte, People of Color, Geflüchtete, Jüdinnen und Juden, queere Menschen – aber auch Fachkräfte und Engagierte, die sich für Demokratie, Menschenrechte und Vielfalt einsetzen.
Rassismus steht interkultureller Öffnung im Weg und prägt den externen Blick auf unser Bundesland. Das hat unmittelbare Folgen: Gerade wenn wir über die Zukunft Thüringens sprechen, insbesondere mit Blick auf die Fachkräftegewinnung und -bindung, ist interkulturelle Öffnung keine Option, sondern Grundlage und Notwendigkeit.
In Thüringen engagieren sich zahlreiche Einrichtungen und Projekte der freien Wohlfahrtspflege täglich für Menschen, die Diskriminierung erfahren – etwa in der Migrationsberatung, in Kitas, in der Jugendsozialarbeit, in Beratungsstellen, in der Arbeit mit Geflüchteten oder im Gewaltschutz. Gleichzeitig berichten viele Fachkräfte zunehmend von Anfeindungen, Bedrohungen und wachsendem Druck in ihrem Arbeitsalltag.
Eine demokratische Gesellschaft kann sich diese Entwicklung nicht leisten. Wer Menschen angreift, die Unterstützung brauchen – oder diejenigen, die ihnen helfen – greift die Grundlagen unseres Zusammenlebens an."
Stephan Panhans formuliert klare Erwartungen an die Landespolitik:
„Der Paritätische Landesverband Thüringen richtet klare Erwartungen an die Landespolitik:
- Konsequente und unmissverständliche Positionierung gegen Rassismus und Rechtsextremismus in Parlament, Regierung und Verwaltung.
- Verlässliche und langfristige Finanzierung der Beratungs-, Präventions- und Bildungsstrukturen gegen Rassismus und Rechtsextremismus sowie zur Stärkung demokratischer Kultur.
- Stärkung unabhängiger Antidiskriminierungs- und Opferberatungsstellen, damit Betroffene schnell und niedrigschwellig Unterstützung erhalten.
- Konkrete Schutzmaßnahmen für Fachkräfte und zivilgesellschaftlich Engagierte, die zunehmend Ziel von Bedrohungen und Einschüchterungsversuchen werden.
- Konsequente Maßnahmen gegen strukturelle Diskriminierung in staatlichen Institutionen, insbesondere in Bildung, Verwaltung und Arbeitsmarkt.
Nicole Offhaus schließt mit einem Appell:
„Die Internationalen Wochen gegen Rassismus machen deutlich: Demokratie lebt davon, dass Menschen füreinander einstehen. Rassismus zu widersprechen, Diskriminierung sichtbar zu machen und solidarische Strukturen zu stärken, ist eine gemeinsame Aufgabe von Politik, Zivilgesellschaft und jedem Einzelnen.
Der Paritätische Landesverband Thüringen ruft deshalb dazu auf, sich an den Aktionswochen zu beteiligen und Haltung zu zeigen – für eine Gesellschaft, in der Menschenwürde, Vielfalt und Solidarität nicht verhandelbar sind."

Kontakt
Frank Diehn
Layout | Design | Webauftritte
Tina Manes
Mitarbeiterin Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit
Lea Goß
Mitarbeiterin Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit
Izzy Reinhardt
Mitarbeiter*in Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit


